Das besondere Hiddensee

Hafen Vitte - Hiddensee

Obwohl ich hier an der Ostseeküste aufgewachsen und regelmäßig an den Stränden unterwegs bin, habe ich es in all den Jahren noch nicht geschafft, zur Insel Hiddensee zu reisen. Vorbei gefahren bin ich schon ein paar mal, nur ein Landgang war mir bisher verwehrt geblieben. Nun war es endlich soweit und dementsprechend groß war meine Erwartungshaltung. Das war war falsch.

Hiddensee galt für mich als eine kleine Trauminsel. Wunderschöne Landschaft, traumhafte Strände, Naturschutzgebiet, keine Otto- und Dieselmotoren, Ruhe, Fischbrötchen und Emmas. Aber irgendwer wollte nicht, dass ich Hiddensee so vorfinde, wie ich es mir vorgestellt hatte. Hiddensee wurde entzaubert und das hatte viele subjektive Gründe. Aber der Reihe nach.

Überfahrt von Zingst nach Hiddensee

Geplant war ein Tagesausflug. Hiddensee erreicht man ja nur mit der Fähre und in der Ferienzeit, weiß man nie, ob die avisierte Fähre nicht voll ist. Also habe ich im Vorfeld Tickets gebucht. Das war wohl schon der erste Fehler. Denn an diesem Tag sagten die Wetterfrösche nichts Gutes voraus. Da stand ich nun in Zingst am Anleger bei feinstem Nieselregen. Aber immerhin waren die Wetterprognosen für die Insel etwas positiver.

Die Fähre war gut besucht, aber lange nicht voll. Jedenfalls genoss ich die etwas mehr als drei Stunden lange Überfahrt. Das Revier kannte ich noch aus vergangenen Zeiten mit „meiner“ Barkasse (MB 14), was angenehme Erinnerungen hochspülte.

Fischerhafen Vitte

Etwas verspätet in Vitte angekommen, öffneten sich langsam die Wolken und Klärchen versuchte gute Stimmung zu verbreiten. Die erste Begrüßung mit den Insulanern reduzierte sich auf den Zwangskauf der Kurkarte – die für den Rest des Tages keine Menschenseele mehr sehen wollte. Dann folgte ein kurze Orientierung, was der kleine Fischerhafen Vitte so zu bieten hatte. Das war wohl der nächste Fehler. Denn der örtliche Nahverkehr bezieht sich auf Hiddensee auf Fahrräder oder Pferdekutschen. Als ich das geschnallt hatte, waren die Kutschen bereits unterwegs zu den Ausflugszielen. Selber schuld, wenn man nur einen Tag auf der Insel hat, sollte man sich gut informieren. Spontanität ist dann leider fehl am Platz.

Nahverkehr auf der Insel

Dann wollte ich eine Rikscha ausleihen. Leider habe ich nicht mit dem knallharten Unternehmertum gerechnet. Die einzige Rikscha, die da stand, war angeblich kaputt, obwohl ich auf dem ersten Blick keine Mängel feststellen konnte. Dafür reichte mein nächster Blick auf die Ausleihgebührentafel – 10 Euro pro Stunde, um mich für die Pferdekutsche (5 Euro pro Fahrt) zu entscheiden. Jedenfalls musste ich nun die geplante kurze Orientierung ausweiten, da die nächste Kutsche erst abfahren wollte, nachdem die nächste Fähre angelegt hatte.

Pferdekutschen in Vitte

Hiddensee kann mehr

Somit blieb mir genug Zeit, den Hafen von oben nach unten und von links nach rechts unter Augenschein zu nehmen. Viele schöne Fotos insbesondere von den Fischkuttern konnte ich machen. Dabei viel mir auf, dass im Gegensatz zu den anderen Küstenorten, die ich kennen lernen durfte, Hiddensee doch etwas anders ist. Schickimicki mag ich ja überhaupt nicht in Fischerdörfern, ich mag das Ursprüngliche. Dennoch, die Mischung zwischen Frittenbuden, Fischbrötchen, Eis und Fischkutter hat Hiddensee einfach nach meinem Geschmack nicht gut in Szene gesetzt. Es machte auf mich einen ungepflegten Eindruck. Auch die Gastronomie hat noch ganz viel Luft nach oben. Für mich kam da kein Urlaubsfeeling auf, zumal die Qualität des Essens (Fischsuppe) nicht zu einem Nachschlag anregte.

Vitte / Hiddensee
Vitte / Hiddensee
Müll in Vitte - 1. Reihe
Vitte / Fischkutter und Seenotrettungskreuzer
Geschlossene Imbissbude in Vitte

Ausflugsziel Kloster

Nach der Zwangspause und dem Anlegen des nächsten Dampfers ging es endlich in Bonanza-Manier mit der Pferdekutsche zum Nachbarort Kloster. Auf dem Weg dorthin kam es mir vor wie auf einer Autobahn, nur halt ohne Autos dafür mit Pferdekutschen, Touris mit und ohne Fahrrädern. Der Ort als solches bestätigte weiterhin meine bis dahin gesammelten Eindrücke. Jeder versuchte mit irgendetwas den eigenen Umsatz nach oben zu treiben, aber bitte ohne sich in Punkto Vielfalt, Qualität und Service zu verbiegen. Teilweise kam es mir vor wie in ländlichen Regionen Spaniens. Komm ich heute nicht, komme ich morgen – Mañana.

Leider oder auch glücklicherweise war der Aufenthalt in Kloster nur auf eine Stunde beschränkt, bis die Kutsche wieder in Richtung Fähre los galoppierte. Unser Kutscher war an diesem Tag der Einzige, der sehr direkt, aber authentisch freundlich zu seinen Gästen war. Immerhin.

Wieder in Vitte angekommen und einer erneuten Zwangspause, ging es dann wieder auf eine über dreistündige Fahrt mit der Fähre zurück nach Zingst. Dieses Mal war die Fähre deutlich voller als am Morgen. Vielleicht hatten andere Urlauber die gleichen Eindrücke wie ich gesammelt und wollten lieber zurück aufs Festland.

Fazit

Aufgrund meiner Impressionen des Eintagesausfluges, der starren Nahverkehrsfahrpläne und der kaputten Rikscha war es mir nicht möglich, wenigstens einmal an den Strand zu kommen. Somit war mein erster Eindruck von Hiddensee nicht gerade überwältigend.

Dennoch glaube ich, dass sich ein Besuch dort lohnt. Dann aber für mindestens zwei Tage (besser 4-5) und am Besten sich dann ein Fahrrad oder ein Pferd für sich alleine mieten. Erst dann hat man die Chance, die Vorteile der ursprünglichen Natur für sich zu entdecken, kann gedanklich runterfahren und kommt dann hoffentlich auch dazu, Hiddensee zu genießen. Vorausgesetzt, die Übernachtungsmöglichkeiten warten nicht auch noch mit irgendwelchen Überraschungen auf.

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